"Heimweh nach Namelok" mit Narikungera (Heidi)

 

Es ist erst wenige Wochen her, dass ich bei unseren Patenkindern im Amboseli / Kenia war und ich durch unseren Verein Holiday and Help gem. e.V. drei Mädchen im Internat untergebracht habe, zwei Mädchen in der privaten Tagesschule und einen Jungen im Internat unterbringen konnte und trotzdem habe ich schon wieder Heimweh …. Heimweh nach Namelok.
 
Im Oktober und November waren wir wieder in Kenia, um unsere Patenkinder und Freunde zu besuchen. Es war eine erfolgreiche Zeit. Klaus hatte im Frühjahr eine Internatsschule besucht, um zu schauen, ob wir dort vielleicht unsere Mädchen unterbringen können. Begleitet wurden wir von drei Paten-Mädchen und von unserem Freund aus Loitokitok. Er arbeitet in einem Krankenhaus in der Gesundheitsabteilung und konnte uns viele Informationen geben, uns durch sein Wissen wichtige Fragen beantworten und was ganz wichtig war, als unser Dolmetscher fungieren.
 
Schon bei der Anfahrt zum Internat ist uns die „Sauberkeit“ des gesamten Bereiches aufgefallen. Auch der Ort und die Umgebung machten auf uns einen guten Eindruck. Das Internat selbst wird durch Security bewacht und man kommt nur mit einer persönlichen Einladung hinein. Es wird durch Gärtner und Hausmeister gepflegt und von katholisch/weltlichen Schwestern geleitet. Die Oberin/Schuldirektorin hat uns freundlich empfangen und alle unsere Fragen mit Geduld beantwortet. Anschließend haben wir uns das große Gelände angeschaut und wir waren alle begeistert. Unsere Mädchen strahlten, denn sie ahnten, dass dies die Zukunft für sie bedeuten kann. Die Boardingschool, das haben wir vorher schon ermittelt, gehört zu den besten Internatsschulen in Kenia. Dieses Internat wurde 1964 von Engländern gegründet und bekommt auch von staatlicher Seite Unterstützung.
 
Schon dort haben wir entschieden, die Mädchen anzumelden und sie wurden auch zu einer Einschulungsprüfung eingeladen, welche sie mit „Bravur“ und sehr guten Ergebnissen bestanden haben. Jetzt haben wir eine gute Lösung gefunden, dass die Mädchen gut untergebracht sind, denn der Bau eines eigenen Kinderhauses stellt sich doch als sehr schwierig heraus.
 
Zurück in Kimana hieß es dann … Vorbereitung auf das Internat … einkaufen, was die Mädchen für ihre Zeit im Internat brauchen. Die Liste war lang, aber durch solche Zuwendungen, wie diese von ihnen, konnten wir es gut verwirklichen.
 
In der gleichen Zeit lernte ich dann auch Nancy persönlich kennen. Schon lange Zeit kannten wir uns übers Internet. Nancy arbeitet bei der Regierung in Nairobi und ist zuständig für Health Care und im speziellen für das „FGM-Projekt“. Das heißt, sie organisiert und leitet Meetings in Schulen, um Mädchen und junge Frauen über Hygiene aufzuklären, vermittelt Wissen zum sozialen Bereich der Massai-Mädchen und Massai-Frauen (z.B. die frühe Verheiratung) und vor allem Aufklärung über die Genital-Beschneidung. Dies ist ja in Kenia bei Gefängnis-Strafe verboten und doch wird es immer noch praktiziert.
 
Wie recht wir hatten, unsere drei Girls dort unter zu bringen, bestätigte sich schon nach kurzer Zeit. Der Vater eines der Mädchen wollte sie beschneiden und Zwangsverheiraten lassen und wollte sie deshalb aus dem Internat holen. Aber Gott-sei-dank haben alle unsere Freunde und auch die Internatsleitung aufgepasst und diese, sagen wir „Entführung“ verhindert. Alle sind nun gewarnt und einen weiteren Kontakt des alkoholkranken Vaters zu seiner Tochter wird es hoffentlich nicht mehr geben. Die Mama dieses Mädchens steht voll hinter uns, denn sie weiß, was eine Schulbildung für ihre Tochter bedeutet und letztendlich auch für sie und die Geschwister.
 
Da wir immer den einen oder anderen Paten in „Reserve“ haben, konnten wir in dieser Zeit weitere drei Mädchen für das kommende Jahr in einer privaten Ganztagsschule unterbringen. Wenn diese Mädchen im kommenden Jahr weiter so fleißig sind, werden sie nach einer Prüfung ab Januar 2018 auch in dieses Internat gehen können, dank unserer Sponsoren und Reserve-Pateneltern, die uns so tatkräftig in unserer Hilfsorganisation Holiday and Help gem. e.V. zur Seite stehen.
 
Ein weiterer Höhepunkt auf unserer Reise war der Besuch unserer Nähgruppe. Klaus hatte auch dort im Frühjahr 2016 erste Kontakte geknüpft und ich war sehr gespannt, was mich hier erwartet. Noch vor dem Tor stehend wurden wir erkannt und es war ein großes Hallo. Jambo Olomayiani, ertönte es aus den Fenstern und „welcome back in Kenia“. Der Nähraum war mit Nähmaschinen wie wir sie noch von unseren Großmüttern kennen ausgestattet und einem großen Tisch auf dem die Stoffe lagen, aus denen unsere Taschen für den Verkauf in Deutschland gefertigt werden sollen.
 
Nachdem Klaus das notwendige Material mitgebracht hatte und er die Nähmaschinen repariert hatte, ging es dann auch schon los. Zusammen mit der Nähgruppenleiterin haben wir den Style und die Preise festgelegt. Die Menge der vorrätigen Stoffe reichte für unsere Bestellung leider nicht aus und so entschlossen wir uns nach Tansania zu reisen und neues Material einzukaufen. Die Näherinnen (zurzeit 8 Frauen) hatten dann 3 Wochen Zeit, um die doch relativ umfangreiche Bestellung anzufertigen. Zu unserer Zufriedenheit und großen Freude hat das auch geklappt und die Einkaufstaschen sind wunderschön geworden und werden in unserem Vereinsheim-Shop zum Kauf angeboten.
 
Ein großes Highlight war der Besuch bei den Schwiegereltern unseres Patensohnes in der Stadt Kikuyu. Die Farm liegt auf etwa 2050 m über dem Meeresspiegel und wir brauchten einen Tag, um uns an die doch schon recht dünne und heiße Luft zu gewöhnen. Es war dort wunderschön und das einfache Leben hat uns geprägt. Wir durften mithelfen bei der täglichen Arbeit auf einer kenianischen Farm, das heißt Futter ernten, heimtragen, füttern der Tiere, kochen, Ställe und Wohnhaus saubermachen. Der Arbeitsalltag beginnt sobald es hell wird und endet wenn die Sonne untergeht. Die Bauern lieben ihre Arbeit und sie machen diese mit Freude und Dankbarkeit. Ihre ruhige Art hat sich auch auf uns übertragen und wir wollten gar nicht an die Zeit des Abschiednehmens denken. Am letzten Tag vor unserer Abreise bereitete uns die Familie eine große Überraschung. Wir fuhren zusammen zum Rift Valley Krater, etwa 10 km entfernt, eine imposante Naturerscheinung. Der Krater ist ein riesengroßes Tal, soweit das Auge sehen kann. Man schaut in die Ferne und denkt: … mein Gott, wie ist die Welt schön. Das müssen wir uns unbedingt bei der nächsten Keniareise genauer anschauen. Auf Wiedersehen in Kikuyu.
 
Weiter ging es dann nach Nanjuki, in die Heimat unseres Patensohnes, dort wartet ja seine schon betagte Mama auf uns. Wir wohnten in dem kleinen Haus, welches uns schon beim letzten Mal zur Verfügung gestellt wurde, einfach eingerichtet, aber so lieben wir es ja. Wir waren auf dem Markt einkaufen fürs Abendbrot, dann wurde gekocht, wie üblich in der stark verrauchten und verrusten Küche. Das Essen schmeckte köstlich. Es gab Reis, Kartoffeln, Gemüse und zum Nachtisch Bananen und Mango.
 
Am nächsten Tag führte uns Klaus wieder in das Ol Pajeta Reservat, er kennt auch dieses Reservat und wusste genau, wo er hinfahren musste. Wieder sahen wir die wunderschöne afrikanische Tierwelt, sahen die kleinen und großen Tiere. Nachmittags versprach uns Klaus mit etwas Glück einen besonderen Höhepunkt. Mehr als zwei Stunden standen wir mit unserem Auto unter Schatten spendenden Bäumen an einem großen See und haben in der Wartezeit die Tiere beim Trinken beobachtet.
 
Dann kam ganz plötzlich und ohne jedes Geräusch die Löwin aus dem Dickicht. Wir sind total erschrocken, obwohl wir ja auf der Suche nach den großen Katzen waren. Unsere Fenster waren wegen der Hitze offen und sie saß da einfach, in drei Meter Entfernung und schaute uns an. Sie schien Junge zu haben, das konnten wir an dem Gesäuge sehen. Die Löwenmama schlich sich vorsichtig an uns vorbei in die Nähe des Wassers, positionierte sich gut unter einen Busch, wieder nur 2-3 Meter neben unserem Auto und wartete dort auf Beute. Es dauerte auch gar nicht lange und eine Herde Zebras kam zum Wasser trinken. Die Löwin spitze fast unbeweglich ihre Ohren und schon ging die Jagd los.
 
Leider musste ein Zebra dran glauben, aber so ist es in der Natur. Ein Tier muss sterben, damit ein anders leben kann. Die Löwin schleppte das erlegte Tier in die Richtung, aus der sie gekommen war. Sicherlich brachte sie die Beute zu ihren Kindern, die weiter hinten im dichten Gebüsch warteten. Vor lauter Aufregung haben wir fast vergessen die Kamera einzuschalten, aber dennoch sind uns einige sehr gute Bilder gelungen. Die Löwin hatte ein gesundes wunderschönes Fell, fast wie unsere Hauskatze Belinda, nur um einiges größer.
 
Als Abschluss zu diesem schönen Tag besuchten wir im Reservat noch Baraka, ein männliches Spitzmaulnashorn. Baraka lebt geschützt und gut behütet in einem gesicherten Bereich des Reservats. Er ist mittlerweile blind und muss deshalb von Tierpflegern versorgt werden. Einer der Pfleger erlaubte mir, Baraka zu füttern und zu streicheln. Was für ein Erlebnis, ich war sprachlos und unendlich berührt. Ich hätte Stunden dort verbringen können, aber die Sonne ging langsam unter und wir hatten nur noch diesen einen Abend zusammen mit der Familie in Karatina.
 
Als absolute Krönung zeigte uns Klaus noch einmal die letzten drei weißen Breitmaul-Nashörner. Es ist unfassbar, dass es auf der ganzen Welt nur noch diese drei Tiere gibt und dass nur, weil so ein paar Spinner glauben, dass man mit dem Horn-Pulver die männliche Potenz anregen kann (Preis pro Kilo bis zu 60.000,00 Euro) Wir hoffen alle, dass der Lebensraum dieser Tiere noch weiter geheim bleibt und dass es doch noch eine Möglichkeit der künstlichen Befruchtung gibt.
 
- ein Spitzmaul-Nashorn wiegt 800 – 1.400 kg bis max. 1.600 kg
 
- ein Breitmaul-Nashorn wiegt 1.600 – 1.800 kg bis max. 2.300 kg
 
- aber unsere weißen Breitmaul-Nashörner wiegen bis zu 3.600 kg und das bei einer Schulterhöhe von 1,80m

 
Auch die Tage bei unseren Freunden am Äquator gingen recht schnell vorbei. Die Zeit reichte wie immer nicht aus, um all die vielen schönen Dinge zu tun, die man sich vornimmt. Aber wir sind dankbar, dass wir dort sein durften und das Teeland um Karatina ist ja wirklich eine Reise wert. Auf der Rückfahrt nach Kimana kauften wir auf einem großen Obstmarkt leckere Früchte ein. Ich konnte mich nicht satt sehen an der Vielfalt, kaum zu glauben dass dieses bis zum Abend verkauft sein soll. Aber mein Patensohn versicherte mir, das wird so sein, denn es kommen viele Obsthändler, die das Obst zu den kleineren Märkten bringen. Dementsprechend war auch der Verkehr auf den Straßen, wir kamen nicht so gut voran.
 
Auf den Straßen um Nairobi war ständig Stau, aber irgendwie haben wir es doch geschafft, ohne Unfall wieder heil im Amboseli anzukommen. Dank unseres sicheren und guten Fahrers Klaus. Links zu fahren fällt ihm leicht und irgendwie passt jeder Fahrer auf, dass nichts passiert. Er bekam von seinem Patensohn den Namen Hero-Driver von Kenia unter dem Gelächter aller Mitreisenden.
 
In der letzten Woche haben wir unsere Amboseli Familie besucht und viel schöne Zeit mit ihnen verbracht. Auch die Eltern unserer neuen Patenkinder bekamen Besuch von uns, um mit ihnen alles weitere zu besprechen, denn es muss ja alles geklärt sein, bevor wir zurück fliegen. Dann kam der letzte Tag, das heißt Koffer packen. Das war nicht schwierig, waren diese ja beim Rückflug fast leer. Umso besser, da hatten wir wenigstens genügend Platz für die Einkaufstaschen aus dem Nähprojekt. Nichts war es mit ausruhen am letzten Tag. Zu guter Letzt saßen am Nachmittag so viele Freunde, Bekannte und Familie bei uns im Garten um Auf Wiedersehen zu sagen, uns noch einmal zu umarmen, ein letztes Mal noch einen Chai mit uns zu trinken in diesem Urlaub. Aber wir kommen wieder, müssen wiederkommen, denn wir haben Verpflichtungen übernommen
 
Danke und Asante sana an die vielen Helfer, die uns diese Berichterstattungen ermöglicht haben.

 

Eure Narikungera

Heidi Rehrmann

 

Wenn ihr uns finanziell helfen wollt, ohne einen eigenen Cent zu investieren, dann meldet euch bitte als Amazon-Kunde zukünftig beim Einkaufen unter smile.amazon.de und AMAZON gibt automatisch einen Teil seines Gewinns an unseren Verein ab, wenn ihr uns als Empfänger „Holiday and Help gem. e.V.“ registriert.
 
…. und vergesst nicht, diese Idee im sozialen Netzwerk zu teilen
 
…. denn einfacher geht SPENDEN nicht.

 
 

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1 Comment

  1. Lieben Dank für Ihren tollen Artikel. Ich lese bereits länger auf Ihrem informativen Blog. Und heute musste mich mal zu Wort melden und ein "Danke" hinterlassen. Machen Sie genauso weiter, freue mich bereits jetzt schon auf die nächsten Artikel

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